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Flugannulierung nach Vulkanausbruch - Entschädigung von Kosten der Fluggäste

Der Ausbruch des isländischen Vulkans „Eyjafjallajökull“ am 20. März 2010 führte zu zahlreichen Flugausfällen in ganz Europa. Grundsätzlich sind bei Flugausfällen die Flugunternehmen verpflichtet, auch wenn diese Ausfälle durch „außergewöhnliche Umstände“ (iSd VO (EG) 261/2004) verursacht worden sind, Betreuungsleistungen für ihre Fluggäste zu erbringen (Unterbringung, Mahlzeiten, Erfrischungen etc).
In Folge des Vulkanausbruchs in Island versuchten nun Flugunternehmen vor einem irischen Gericht zu argumentieren, dass die Schließung eines Teils des europäischen Luftraums wegen ihrer besonderen Tragweite über den Begriff „außergewöhnliche Umstände“ hinausgehen würde und sie daher von ihrer Betreuungspflicht befreit seien. Das irische Gericht legte diese Frage daraufhin dem EuGH vor, der nun in der Entscheidung 14503 vom 01.02.2013 klarstellte, dass  auch die Schließung des Luftraums nach dem Ausbruch des isländischen Vulkans als „außergewöhnlicher Umstand iSd VO (EG) 261/2004“ zu qualifzieren ist und daher das Flugunternehmen die Fluggäste, deren Flug deshalb annulliert worden ist, zu betreuen hatte. Es gäbe keine „besonders außergewöhnlichen Umstände“, die das Flugunternehmen von seiner Verpflichtung entbinden könnten.
Auch wurde klargestellt, dass weder eine zeitliche noch eine finanzielle Begrenzung dieser Betreuungspflicht im Unionsrecht vorgesehen ist. Alle Betreuungspflichten obliegen dem Flugunternehmen daher also zur Gänze während des gesamten Zeitraums, in dem die betroffenen Fluggäste auf ihre anderweitige Beförderung warten müssen. Das Flugunternehmen muss daher ua auch eine Hotelunterbringung unentgeltlich anbieten, solange diese notwendig ist, und haben Fluggäste, denen im Jahre 2010 solche Leistungen verweigert wurden, daher nun bis zuur Verjährung (Vorsicht: in den meisten Fällen drei Jahre!) Ersatzansprüche gegen das jeweilige Flugunternehmen, welches seiner Betreuungspflicht damals nicht nachgekommen ist. Die Entschädigung ist dabei auf solche Beträge begrenzt, die nach den Umständen des Einzelfalls notwendig, angemessen und zumutbar anzusehen sind, um den Ausfall der Betreuung durch das Flugunternehmen auszugleichen.